and suddenly you can't stop

 



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5:00 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Katerstimmung.

Ein neuer Tag beginnt. Draußen ist es noch dunkel. In der Ferne hört man nur ein paar einsame Vögel zwitschern.
Am liebsten liegen bleiben, das wäre schön. Einfach weiterschlafen, dann muss man nicht denken, nicht fühlen und vor allem: man muss nicht essen!

Doch es bringt ja alles nichts! Los, steh auf!!
Langsam öffnet sie ihre Augen, schaut sich um und sieht, was sie gestern wieder getan hat. Sie hat es schon wieder getan! Sie hat schon wieder versagt! Ihr ist schlecht, ihr ganzer Körper schmerzt, sie kann sich kaum aufrichten.

Überall liegen die Reste ihrer Orgie: leere Tüten Chips, Schokoladenpapier, Geschirr auf dem noch etwas zerlaufener Käse klebt, leere Keksdosen, Nutellagläser und Bonbonpapier. "Was habe ich nur getan?" Der Bauch schmerzt, sie ist körperlich erschlagen und total müde, obwohl sie über 8 Stunden geschlafen hat.

Die erste Tat: aufstehen und auf die Waage gehen. Sie schnappt nach Luft und kann es kaum fassen, was sie da sieht. Schon wieder 2kg zugenommen.
Das kann doch nicht sein! Sie ist fassungslos und ihre Augen füllen sich mit Tränen.
"Schluss! Aus! Ende! Vorbei!!!! Ab heute wird alles anders! Ich will endlich dünn sein und ab heute bleibe ich diszipliniert!" Mit neuer Motivation springt sie unter die Dusche, macht sich fertig und geht ohne Essen zur Arbeit. Auf der Arbeit isst sie nur etwas Salat - sie genießt die Pausen mit ihren Arbeitskollegen sehr - trinkt viel und ist stolz auf sich und freut sich, dass sie wieder Disziplin hat.
Dann wird es stressig. Es ist viel zu tun. Sie muss tausend Sachen erledigen. „Klar, Chef! Wird gemacht!“ „Ja, selbstverständlich kann ich heute Überstunden machen!“ Doch bekommt sie Lob? Nein, wozu auch? Sie ist ja immer diejenige, die als erstes kommt und als letztes geht. Es ist schon Routine… Sie ist halt „Chefs bessere Hälfte“. Gehaltserhöhung? "Du machst einen hervorragenden Job, aber aktuell ist eine Gehaltserhöhung nicht möglich. Du weißt doch, wir müssen sparen" - "Ja, Chef. Trotzdem danke."  Überall liegen Akten, Papiere, die sie noch ausfüllen muss, schon kommt der Chef mit einer anderen noch wichtigeren Aufgabe. Lächelnd nimmt sie die 20 seitige Akte entgegen und weiß, dass sie vor 18 Uhr nicht gehen kann. Dabei war sie doch schon um 6:30 Uhr auf der Arbeit. Ihr Schreibtisch ähnelt der Wohnung eines Messis.
Aber Jammern hilft ihr jetzt nicht weiter. Sie muss sich jetzt anstrengen, aber kann sich nicht mehr konzentrieren. Die Gedanken schweifen ab - sie denkt an das, was sie am meisten hasst und doch so sehr braucht: das Essen! "NEIN!! Du wolltest etwas ändern!" Sie versucht sich auf die Arbeit zu konzentrieren, aber nichts hilft mehr. Sie zählt nur noch die Sekunden - die Sekunden bis zum Arbeitsende! Bis sie endlich wieder essen kann!

Dann ist es so weit: Feierabend! Fertig mit den Nerven und unglaublich nervös, aber doch irgendwie euphorisch fährt sie in den nächsten Supermarkt und kauft alles das ein, was sie nie wieder essen wollte: Chips, Schokolade, Kekse, Kuchen, Schokomüsli, Nutella, Pudding, Joghurt, Pizza, Lasagne, Nudeln, Dosenravioli, Frikadellen, Brot, Toast, Käse, Croissants, Milchbrötchen, Eis, Waffeln, Sahne, Muffins, Salzstangen, Fruchtgummi, Lakritz, Baumkuchen und Buttercremetorte. Sie blickt um sich. Sie schämt sich. Die Leute wissen es, da ist sie sich sicher. Sie wissen, dass sie pervers ist, sie wissen, dass sie keine Disziplin hat und keine Kontrolle mehr hat. Schon während sie den Einkaufswagen zur Kasse schiebt, steigen ihr Tränen in die Augen, denn sie weiß, was gleich passieren wird: Sie wird ihre Haustür verriegeln, die Vorhänge zuziehen, den Anrufbeantworter einschalten, den Fernseher einschalten, ihre Beute vor sich ausbreiten und alles in sich hineinschlingen ohne den Geschmack oder sonstiges wahrzunehmen. Sie wird essen und essen und essen bis alles weg ist. Bis sie so voll ist, dass sie sich vor Schmerz nicht mehr bewegen kann. Bis sie sich wünscht zu sterben.
"Noch habe ich nicht bezahlt. Ich kann noch umkehren" Doch das ist eine Lüge: sie kann nicht. Sie geht zur Kasse, bezahlt, fährt nach Hause und stopft alles in sich hinein. Schon während sie die Lebensmittel in sich hineinschlingt, fühlt sie sich schlecht und bereut, was sie getan hat. Sie hasst sich! Sie hasst sich so sehr wie sie noch nie einen Menschen im Leben gehasst hat. Sie ekelt sich und verabscheut sich. Sie ist ein Monster!!!

Vollgefressen liegt sie im Bett. Sie weint, sie weint bitterlich. Sie hat Schmerzen, ihr Kopf tut weh und das Atmen fällt ihr schwer. Sie weint sich in den Schlaf.
Kurz bevor der erlösende Schlaf eintritt, verspricht sie sich "Heute war es das letzte Mal. Ab morgen wird alles anders! Ich schaffe es! Ich halte durch".....
bis der Wecker klingelt und sie weiß, dass der Wahnsinn wieder von vorn beginnt...




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